Wie lese ich dieses Bild?
Dieses Gemälde malt sich selbst — aus dem, was das deutsche Stromnetz
in diesem Moment tut. Nichts hier ist Dekoration: Jede Bewegung, jedes Licht,
jeder Dunst ist eine Messung.
- Das Sonnenlicht
- ist die Solarleistung. Je mehr Solarstrom fließt, desto goldener glüht der Himmel.
Nachts, wenn alle Module schlafen, wachen Mond und Sterne auf.
- Der Wind in der Luft
- sind die Windräder an Land: Tausende Luftfäden ziehen durchs Bild, und die
kleinen Silhouetten am Hang drehen sich so schnell, wie Deutschland gerade Wind erntet.
- Das Schimmerband am Horizont
- ist die See — es glitzert mit der Leistung der Windparks draußen im Meer.
- Die dunklen Bergkämme
- sind Kohle, Gas und Öl. Je mehr fossile Kraftwerke laufen, desto schwerer und
dunkler türmen sie sich auf, und Rauchschleier legen sich dahinter.
- Der Pflanzenwuchs an den Hängen
- ist die Biomasse — still, stetig, grün.
- Der Fluss
- ist die Wasserkraft: Er wird breiter und glänzender, je mehr Turbinen er antreibt.
Und wenn die Pumpspeicher Strom schlucken, fließt sein Glitzern rückwärts — Wasser bergauf.
- Die Amber-Glut
- ist der Börsenstrompreis — der einzige grelle Farbton im ganzen Bild.
Teurer Strom: Die Glut am Horizont und im Fluss flackert auf.
- Die Klarheit der Luft
- ist der Anteil der Erneuerbaren an der Stromnachfrage. Hoher Anteil: klare Luft.
Niedriger Anteil: Ein fahler Schleier legt sich über die Landschaft.
(Er kann über 100 % liegen — dann erzeugt Deutschland mehr Ökostrom, als es verbraucht.)
- Das Atmen des Bildes
- ist die Netzfrequenz, sekundengenau gemessen: Um 50,000 Hertz atmet das Gemälde
ruhig. Weicht das Netz ab, wird der Nebel unruhig.
- Die Tageszeit
- ist echt: Morgens dämmert es hier, mittags steht die Sonne hoch, nachts schläft
das Land. Morgen früh sieht dieses Bild völlig anders aus.